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Armagnac
 
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Armagnac? - Das ist hier zu Lande ein Synonym für edlen französischen Weinbrand. Doch der stille Landstrich hat weitaus mehr zu bieten als Weinberge und Destillen. Unser Autor fand mittelalterliche Dörfer mit bezaubernden Plätzen, wo man üppig speisen und - natürlich - in aller Ruhe einen reifen, aromatischen Armagnac genießen kann.

Nirgends lässt sich ein Gläschen Armagnac besser genießen als auf der Place Royale in dem winzigen Dörfchen Labastide d´Armagnac. Dort sind offenbar Jahrhunderte vorübergegangen, ohne dass sich an den mittelalterlichen Fassaden etwas verändert hätte. Aus dem dreizehnten Jahrhundert stammen die Fachwerkgemäuer der Wohnhäuser und die massiven Holzbalken, mit denen die wohlproportionierten Arkadengänge gestützt werden, die den Platz von drei Seiten her einrahmen. Dieses architektonische Ensemble war früher Zentrum einer so genannten Bastide, einem jener typischen Wehrdörfer, die Franzosen und Engländer während des hundertjährigen Krieges in der Region Armagnac gründeten. Die Bastiden waren für damalige Zeiten moderne Siedlungen, die nach einem vorgefertigten Plan entstanden und sich durch ihr schachbrettartiges Grundmuster definieren, zu dessen Mitte hin die wichtigsten Straßen in einem Platz münden.


Kleinode mittelalterlicher Baukunst

Zahlreiche Bastiden haben Mittelalter und Industrialisierung unbeschadet überstanden und sogar dem Veränderungswillen des zwanzigsten Jahrhunderts getrotzt. Montréal, Mirande und Marciac sind heute zwar lebendige Kleinstädten, doch die architektonische Harmonie ihrer zentralen Plätze mit den malerischen Arkaden ist nicht verloren gegangen. Andere sind klein und verschlafen geblieben: Tillac und Labastide d´Armagnac haben nicht nur ihre zentralen Plätze erhalten, sondern sind vollkommen unversehrte Dörfer geblieben, die noch in einer abgeschiedenen Welt zu leben scheinen.

Lupiac, wo einst der Musketier d´Artagnan geboren wurde, scheint noch im Mittelalter zu verharren. Larressingle verfügt bis heute über eine vollständige Stadtmauer und einen dreistöckigen Wohnturm; der Ortskern ist nur zu Fuß über eine Brücke zu erreichen, die den alten Verteidigungsgraben überspannt. Der Bastidenplatz von Fourcès ist der schönste und ungewöhnlichste im gesamten Armagnac: oval und in der Mitte von Platanen bestanden - ein Kleinod mittelalterlicher Baukunst.

In fast allen Dörfern und Städten des Armagnac herrscht der behäbige Trott der französischen Provinz: In den Restaurants unter den Arkaden versammeln sich mittags die Einheimischen und trinken zum schlichten Menü eine Karaffe Rotwein. Die Fensterläden sind fast überall geschlossen, auch der kleine Laden mit Armagnacflaschen im Schaufenster macht Mittagspause. Nicht einmal die versprengten deutschen oder englischen Touristen können an dieser provinziellen Trägheit nichts ändern.

Es schnattert, flattert und gackert

Die Bastidensiedlungen fügen sich harmonisch in die abwechslungsreiche Landschaft des Armagnac ein: Laubwälder, Hecken und Platanenalleen erstrecken sich über die weitläufigen Hügel. Man fährt auf Landstraßen, die noch Landstraßen sind, gewunden zwischen den einzelnen Gemarkungen und Grundstücken, ohne Leitplanken oder Begrenzungspfähle. Zu beiden Seiten liegen die weit verstreuten Gehöfte mit ihren sorgfältig angelegten und bebauten Feldern und Weinbergen. Es herrscht keine Monokultur des Weinbaus, sondern Weizen und Mais, Sonnenblumen und Tomaten, hin und wieder eine Viehweide sorgen für Abwechslung. Auf Wiesen und an Teichen watscheln Enten und Gänse.

Jede Kleinstadt, jedes größere Dorf veranstaltet seinen Markt, auf dem sich einmal pro Woche die Menschen einfinden. Es sind bodenständige Märkte mit Obst, Gemüse, Pilzen und Produkten der Saison, angefüllt mit Raritäten und ungewöhnlichen Erzeugnissen. Ein Metzger bietet Wildschwein-, Pferde- und Eselswurst an, Dutzende von Honigsorten stehen zur Auswahl, und die Produzenten von Weinbrand postieren neben aktuellen Jahrgängen stolz auch Flaschen aus ihrer Schatzkammer. Der Wochenmarkt in Eauze hat sogar eine eigene Abteilung für lebendes Geflügel. Dort flattert, schnattert, gackert und gurrt es, wenn die Bauern in kleinen und großen Käfigen ihre Enten, Gänse, Hühner und Tauben anschleppen.

Üppiges Essen, reifer Weinbrand

Die wichtigsten Produkte der Region sind neben dem Armagnac freilich die eingemachten Delikatessen und Konserven, hergestellt vorwiegend aus Enten- und Gänsefleisch. In Dosen und Gläsern werden die Spezialitäten Confit de Canard und Rillette, Pâté und Cassoulet, Gésier und Magret angeboten: Eingekochtes, Eingelegtes, Gebratenes, Geräuchertes und Getrocknetes. Und nicht zu vergessen Foie Gras in allen Variationen, die Stopfleber von Gänsen und Enten. Während hier zu Lande diese Art der Mästung verboten ist und Stopflebern nur selten angeboten werden, gehört die Foie Gras im Armagnac ganz selbstverständlich zur einheimischen Küche. Sie ist die Grundlage der Gastronomie im gesamten französischen Südwesten und kommt in Pasteten und Terrinen auf den Tisch oder pur als Foie Gras entier, ganze Leber, oder Foie Gras en bloc, hergestellt aus kleinen Stücken.

Gekocht werden mächtige Mahlzeiten mit Ente und Gans, Fett ist kein Problem, und niemand zählt die Kalorien. Fast jedes Restaurant bietet ein „Menu de Terroir“ an, bei dem sich die Einheimischen ihre deftige Kost auftischen lassen und der Besucher die Geschmacksvielfalt der ländlichen Kochkunst begutachten kann. Dieses Essen passt zweifellos zum Land; es ist bodenständig wie die Menschen, althergebracht wie die Architektur der Bastiden, gewachsen mit der Landwirtschaft und deren Produkten. Und nichts könnte natürlich eine solche Mahlzeit besser abschließen als ein alter Armagnac: Je üppiger das Essen, desto ausgereifter sollte der Weinbrand sein. 

 
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